keyvisual



Home
Persönlich
Peter&Paul Ratingen
Jugendseelsorge
Bilder
Minis
Pfadfinder
La Verna
KJA Jugendagentur
Spiritualität
Geistli. Worte/Radio
Gottesdienste
Fotoalbum
Hildegard Domizlaff
Faszination Orgel
Gästebuch
Links
Kontakt

 

In der Zeit vom August 2008 bis Februar 2014 durfte ich als Kreisjugendseelsorger

für das Kreisdekanat Mettmann tätig sein.

Das war eine sehr erfüllte Zeit und sehr gerne denke ich an viele

herrliche Aktionen und Begegnungen zurück.

 

 

 

Hier geht es dann auf eine weitere Infoseite unserer Jugendpastoral.

www.La-Verna.de

 

  

♦ ♦ ♦

 

Jugend und Spiritualität

Traum oder Wirklichkeit? 

 

 Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben finde?

Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm:

Eines fehlt dir.

Geh hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen,

so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben,

dann komm und folge mir nach!

Er aber wurde unmutig über das Wort und ging davon;

denn er hatte viele Güter."

Mk 10, 21f.

Liebe Freunde! 

Vor beinahe 25 Jahren (1983) veröffentlichte der damalige Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle einen Artikel mit der denkwürdigen Überschrift: Was fängt die Jugend mit der Kirche an – was fängt die Kirche mit der Jugend an? In diesem Artikel geht es um die Verhältnisbestimmung zwischen Jugend und Kirche. Heute, so viele Jahre später, stellen sich uns dieselben Fragen wie damals: Was hat die Jugend eigentlich noch mit Kirche zu tun? Findet überhaupt noch ein junger Mensch den Weg zur Kirche, zu einer persönlichen, freundschaftlichen Gottesbeziehung? Ist der Jugend der Glaube überhaupt wichtig?

Natürlich, wir haben die Messdiener, aber viele von ihnen sieht man ja schließlich auch nur dann, wenn sie Dienst haben. Die Masse der jungen Menschen hat mit Kirche anscheinend nichts mehr zu tun. Selbst das Weltereignis „Weltjugendtag 2005 in Köln“ scheint keine sichtbaren Spuren hinterlassen zu haben.

 

Besinnungswochenende in La Verna

Die Perikope vom reichen Jüngling aus dem Markusevangelium scheint mir hier eine Hilfe zu bieten. Jesus begegnet einem jungen Mann, der sich nach wahrhaften Leben erkundigt. Diese Frage macht Jesus auf den jungen Menschen aufmerksam. Ich denke der Herr spürte, dass dieser Mann, sich die richtigen Fragen stellte, dass er offen ist für Größeres. Dass er Sehnsüchte und Hoffnungen in sich trägt, dass er sich nicht mit dem Alltäglichen zufrieden geben will, sondern auf der Suche nach seiner Berufung ist. Jesus erkennt seine Situation und sagt ihm auf den Kopf zu, was er tun soll. Will er wirklich Großes in seinem Leben finden, soll sein Leben wirklich sinnvoll für ihn und andere werden, dann muss er frei sein für die Botschaft vom Reich Gottes unter den Menschen. Christus will ihn gewinnen für sich und sein Werk. Doch der reiche Jüngling schaut auf das, was er hat, es erscheint ihm als zu wertvoll, als dass er sich davon trennen könnte. Es heißt da im Evangelium, dass er un-mutig wurde. Es verließ ihn der Mut, sich auf das Abenteuer Gottes ein zu lassen und so ging er traurig weg.

 

Fast immer, wenn ich in Berührung mit jungen Menschen komme, so z. B. bei der Firmvorbereitung, erlebe ich, dass die Jugendlichen Hunger nach gelingendem Leben in sich tragen. Bei manchen ist diese Sehnsucht etwas verschüttet und doch tragen eigentlich alle irgendwo in ihrem Herzen die goldschimmernde Hoffnung in ihrem Leben wirklich glücklich zu werden. Das ist ein großes Startkapital, das eingesetzt werden will.

Eines darf man den Jugendlichen nicht zugestehen: Dass sie nicht mehr träumen, nicht mehr wagen, an das Große in sich selbst zu glauben. Man darf es nicht zulassen, dass sie sich und ihre Visionen aufgeben. Es ist das Privileg der jungen Generation, sich immer wieder nach dem wirklich Tragenden, nach dem wirklich Schönen auszustrecken. Die Jugend ist die Zeit der Entdeckung des Lebens mit all seinen herrlichen Möglichkeiten. Doch viele Jugendliche fühlen sich machtlos und ausgeliefert in Bezug auf die Gestaltung ihrer Lebensmöglichkeiten. Viel zu viele Dinge empfinden sie als vorgegeben, fühlen sich oftmals wie festgelegt. Leistung und Erfolg sind die ständigen Mahnrufe und Erfordernisse der Gesellschaft, die ihnen von Kindheit an antrainiert werden, denen sie sich ausgeliefert fühlen, denen sie gerecht werden müssen.

Doch bei aller Belastung sind unsere heutigen Jugendlichen so reich an vielen Dingen und Aktivitäten, dass oftmals einfach kein Platz mehr bleibt, sich dem Glauben und somit dem Leben in Fülle zu widmen. Man jagt ständig dem Leben nach und verliert das wahrhaft Wichtige gerade so aus den Augen. Ich erlebe die Jugendlichen oftmals einfach als „zu“. Da gibt es keinen Platz mehr für die Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach dem, was letztlich trägt und hält.

 

Besonders traurig finde ich es, wenn ich spüre, dass sich da ein junger Mensch für Fragen des Woher und Wohin des Menschen öffnet und interessiert und dann doch wieder in alte Schemata zurückfällt oder durch andere in seinem Suchen abgebremst wird. Oftmals werden Jugendliche mit ihren Lebensfragen, gerade auch mit ihren Glaubensfragen allein gelassen. Es fehlt an Vorbildern, die ihnen davon glaubhaft berichten, dass ihr Leben durch die Beziehung und Freundschaft mit Jesus Christus erst die wahre Richtung gefunden hat.

 

Jeder von uns muss sich die Frage stellen, ob wir anziehende Zeugen einer Botschaft sind, die den Menschen ewiges, geglücktes und erfülltes Leben verspricht. Jeder von uns muss sich die Frage gefallen lassen, ob wir von uns sagen können, dass wir auch etwas von unserem Reichtum – was auch immer das ist – opfern, um für Christus frei zu sein. Kann ein junger Mensch an meinem Leben ablesen, dass mir der Glaube an den auferstandenen Herrn wichtig, sogar das Wichtigste ist?

 

Hin und wieder bin ich für einen Moment enttäuscht, wenn ich spüre, dass so viele – gerade im Rahmen der Firmvorbereitung - in Berührung mit Kirche und Glaube kommen, um dann doch andere Wege einzuschlagen. Dann versuche ich mich an das oben abgedruckte Evangelium zu erinnern und daran, dass ich als Jünger Jesu keine anderen Erwartungen haben darf als die, die der Herr auch gemacht hat.

 

Von zentraler Bedeutung scheint es mir in der Jugendarbeit zu sein, den jungen Menschen beständig nachzugehen. Und so berührt mich besonders jener Satz aus dem Evangelium, da es heißt, dass Jesus den jungen Mann ansah und ihn lieb gewann. Anschauen und lieb gewinnen. Diese Worte muss man in seinem Herzen erwägen. Den konkreten Jugendlichen, der mir hier und heute begegnet, ihn anschauen und lieb gewinnen. Empfindlich sein für das, was ihm wichtig und wertvoll ist. Ihm Vertrauen und echte Zu-neigung schenken. Das scheint mir unverzichtbar zu sein, wenn ich Menschen für das Reich Gottes gewinnen will. Nicht nur an Gott, nein, auch an den jungen Menschen und sein Herz glauben, der mir da und dort begegnet, ihn liebevoll anschauen; ihm Mut machen, ihm, der jetzt vor mir steht.

  

Will ich allerdings den liebevollen Blick Jesu weiterschenken, muss ich mich zu allererst selbst von diesem Blick treffen und im Innersten berühren lassen... 

 

Wer das Herz des Evangeliums kennt und das Herz der Jugend, wer sich für beides interessiert, beides anschaut und lieb gewinnt, wer so als Christ lebt und weiß, dass letztlich allein Gott das Herz der Menschen erreichen kann, der wird zum lebendigen und anziehenden Zeugen Gottes in der Welt. Derjenige tut nichts anderes als das, was auch Gott tut: Anschauen und lieb gewinnen.

Pfr. Daniel Schilling

 


 

♦ ♦ ♦

 

Neben vielen Einzelgesprächen mit Jugendlichen haben mich gerade gemeinsame Firmfahrten und Besinnungswochenenden immer wieder darin bestärkt, dass es sich lohnt mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Zu erfahren, wie sie denken, was sie glauben und von welchen Visionen und Wünschen sie sich leiten lassen wollen. Jugendliche träumen und suchen sich und ein gelungenes Leben, Werte und Inhalte, für die es sich lohnt zu leben. Jugendliche sind konfrontativ und bringen einen immer wieder mit eigenen Gedanken und Gefühlen in Berührung. Sie halten lebendig, was droht im Stress des Alltags abzusterben.

Besonders freut es mich stets, wenn junge Leute, die sich streckenweise sehr schwer getan haben, auf einmal einen gelungenen Zugang zu ihrem Leben gefunden haben. Wenn sie das dann auch noch geschafft haben, ohne ihrer eigenen Charakter und ihre Einmaligkeit zu verlieren, wenn sie sich bei diesem Wandlungsprozess nicht verloren haben, ergreift mich große Dankbarkeit.

Die folgende Geschichte hat sich tatsächlich so ereigent und kann dies vielleicht verdeutlichen:

 

♦ ♦ ♦

 


 

Komm, wir fahren auf den Fernsehturm!

Einer meiner ehemaligen Firmlinge tat sich enorm schwer mit seinem Leben. Sowohl an der Schule, als auch in der Familie wurden die Probleme immer schlimmer. Seine schulischen Leistungen nahmen ab und so verschärfte sich auch seine Situation in der Familie. Gemeinsame Gespräche waren kaum noch möglich. Ein Wort gab das andere und so wussten die Eltern, als auch er selbst nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Er befand sich regelrecht in einem Teufelskreis. Hinzu kam die mangelnde Einsicht, dass man durch ausschweifende Freizeitgestaltung und übertriebenen Alkoholkonsum, die ihrerseits kaum noch Raum zum Lernen gaben, diesem Teufelskreis sicher nicht entkommen könnte.

Da ich diesen Jugendlichen aus meinem Firmunterricht kannte, wusste ich dennoch, dass er bei aller „Coolness“ Träume in seinem Herzen hatte. Mehrere Male nahm ich an gemeinsamen Gesprächen mit ihm in seinem Familienkreis teil, doch veränderte sich die Situation nicht zum Guten.

  

Eines Tages rief ich ihn an und sagte, dass ich mich unbedingt mit ihm treffen müsse. So holte ich ihn ab und fuhr mit ihm zum Düsseldorfer Landtag. Dort stellte ich ihn mit dem Gesicht direkt vor eine Außenmauer des Gebäudes. Ich fragte: „Was siehst du?“ Er: „Eine Mauer.“ Ich: „Genauer!“ Er: „Einen Stein.“ Siehst du, Peter, das ist der Stein an dem du dir ständig den Kopf nicht nur wund, sondern blutig schlägst.“ Er fragte, was das denn nun alles solle. Daraufhin fuhr ich mit ihm auf den Rheinturm nebenan. Oben bat ich ihn, sich auf eine der schräg angebrachten Fenster des Fernsehturmes zu legen. „Jetzt schau runter! Siehst du? Das ist der Düsseldorfer Landtag: ein wunderschönes Gebäude, eine ganz außergewöhnliche Architektur, ein Bau mit vielen in sich übergehenden Kreisen, mit hunderten von interessanten Räumen. Siehst du auch da unten die Wand, vor der du eben mit deinem Kopf gestanden hast? Du konntest nicht wissen, dass es die Wand von einem solch beeindruckenden Gebäude ist. Weißt du? Das Gebäude ist wie dein Leben. Es hat viele Räume, groß, kleine, schöne und eher schlichte und als Gesamtkunstwerk ist es faszinierend. Ähnlich scheint mir deine Lebenssituation zu sein. Du hast sagenhafte Möglichkeiten, viel kannst du erleben und manch Beglückendes wird dein Leben für dich bereithalten. Es wird schön und du kannst glücklich werden. Und du? Du stehst vor diesem einen Stein, an dieser einen Stelle. Ja, du willst das Richtige, du willst in dieses Gebäude, du willst dein Leben erleben, aber du gehst einfach nicht auf die Suche nach dem Eingang. Es ist verrückt! Du willst in dieses Gebäude, doch du willst anscheinend unbedingt mit dem Kopf durch die Wand. Warum tust du nur dir und denen, die dich lieb haben so weh?

 

Landtag Düsseldorf

Jetzt schau genau hin! Siehst du nicht, dass der Eingang nicht all zu weit entfernt ist. Du musst dich nur neu ausrichten. Weißt du! Manchmal muss man eine andere Perspektive einnehmen, einmal von oben auf das eigene Leben schauen, um zu erkennen, wo man gerade steht. Auch ich, Peter, habe mir in meinem Leben oftmals die Stirn blutig geschlagen, habe gar nicht erkannt, wie sehr ich an meinem eigenen Leben vorbei ging. Manchmal bin ich echte Irrwege gegangen. Ich meinte auf der rechten Spur zu sein, um dann später, oftmals viel später zu erkennen, dass ich einen Weg gewählt hatte, der mich einzig in Traurigkeit und innere Leere geführte hatte.“

Peter war ganz ruhig geworden. Ich stellte mich ein wenig zur Seite und betrachtete ihn, wie er dort auf der Scheibe lag und still in die Tiefe schaute und er lag dort eine ganze Zeit lang.

Noch häufiger haben wir uns getroffen und über unser Leben gesprochen. Heute, nachdem Jahre vergangen sind, seitdem wir auf dem Rheinturm waren, steht Peter unmittelbar vor seinem Abitur. Nicht nur in der Schule, sondern auch in seiner Familie ist er nicht mehr der, der „nichts geregelt bekommt“, sondern vielmehr derjenige, der anderen einen Tipp gibt, wenn sie Probleme haben.

Pfr. Daniel Schilling

 

 

 

 

Top